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5 Mythen über das Aufräumen

27. Januar 2026

Vielleicht denkst du beim Wort Aufräumen an Pflichten. An Muss. An etwas, das man halt macht, wenn es nötig ist.

Und vielleicht hast du – ganz unbewusst – auch ein paar Glaubenssätze dazu gespeichert. Über vergeudete Zeit, über Sinnhaftigkeit und Wichtigkeit des Aufräumens.möchte ich mit dir über fünf Mythen übers Aufräumen sprechen.

Aus diesem Grunde möchte ich hier über die 5 Aufräum-Mythen sprechen, die immer noch unser kollektives Feld nähren.

Mein Ansinnen ist es das Aufräumen nicht nur aus der Perspektive von Ordnungssystemen zu sehen, sondern aus einer anderen Perspektive, die dir das Leben wie eine Blüte öffnet. Aus der Lebensperspektive.

Denn Aufräumen ist nicht ausschließlich ein Haushalts-Thema.
Es ist ein Entscheidungsthema.
Ein Beziehungsthema.
Ein Reifungsthema.

Mythos 1: „Aufräumen ist vergeudete Zeit“

Dieser Mythos sitzt tief. Weil wir gelernt haben, dass nur das wertvoll ist, was sichtbar etwas produziert. Wir sind in einer Leistungsgesellschaft groß geworden und es ist nicht verwunderlich, dass wir nach Ergebnisse lechzen.

Aufräumen scheint dagegen… nebensächlich.

Aber schau genauer hin.
Jeder Gegenstand, der keinen Platz hat,
jede übervolle Schublade,
jede Ecke, die du meidest,
ist eine offene Schublade oder Entscheidung. 

Und offene Entscheidungen kosten Energie.

Aufräumen ist keine Zeitverschwendung.
In Wahrheit ist Aufräumen Zeit zurückholen. Weil du weniger suchst. Weniger ausweichst.
Du räumst nicht für die Ordnung auf.
Du räumst für deine mentale Ruhe auf.

Mythos 2: „Aufräumen ist langweilig“

Langweilig wird es nur, wenn wir glauben, es gehe um Dinge oder Gegenstände. Aber eigentlich geht es um Geschichten.
Denn hinter jedem Gegenstand verbergen sich Erinnerungen und Geschichten.

Als ich vor Wochen von meinem Dachspeicher ein paar Schlittschuhe herunterholte, da war die Geschichte direkt in meinem Kopf:
Als 14jährige bin ich im tiefsten Winter mittags auf dem Schwanenweiher mit so viel Inbrust meine Runden gelaufen, habe mich ausprobiert und wartete bis mich mein Vater wieder abholte.

So ist es mit unseren Klamotten – wer war ich, als ich es getragen habe?
Auch mit Tagebüchern – welche Phase meines Lebens beschreibe ich darin?

Aufräumen ist ein innerer Dialog. Es ist ein Dialog mit den früheren Versionen von dir. Mit Entscheidungen, die damals richtig und sinnvoll waren, aber heute vielleicht nicht mehr sind.

Du begegnest dir selbst. Und vielleicht kommst du dir auch auf die Schliche, erkennst bestimmte Zusammenhänge, die dir bislang nicht zugänglich waren – und das ist gewiss nicht langweilig, oder?


Mythos 3: „Aufräumen bringt mich nicht vorwärts“

Viele Menschen wollen Veränderung.
Neue Klarheit.
Neue Energie.
Neue Richtung.

Aber sie wollen nichts dafür tun, sie wollen im alten Umfeld bleiben.

Doch schau dir mal an, wie das gehen soll:
Neue Gedanken in übervollen Räumen?
Neue Identität in alten Strukturen?
Neues Leben auf alten Fundamenten?

So funktioniert Entwicklung nicht.

Aufräumen ist eine Aktion, eine vorwärtsgerichte Bewegung, es ist der Moment, in dem du sagst:
Ich schaffe Platz für das, was kommen will.“

Und verstehe mich nicht falsch: Nicht alles, was geht, war falsch. Aber manches hat einfach seine Aufgabe erfüllt und wartet auf etwas Neues. 

Mythos 4: „Aufräumen ist schwermütig“

Ja, das lässt sich nicht leugnen. Beim Aufräumen tauchen Gefühle auf.

Erinnerungen. Wehmut. Traurigkeit. Manchmal auch Schuld oder Zweifel.

Als ich meine Schlittschuhe in die Hand nahm, liefen Tränen über meine Wangen. Eine schöne alte Zeit ließ mich sentimental werden. Eine Zeit der Unbeschwertheit und Sorgenlosigkeit, eine Zeit mit viel Bewegung und Freiheit. In diesem Moment ließ ich meine Traurigkeit zu: Die Gefühle wollen gesehen werden. Nicht archiviert. Und beim Aufräumen dürfen sie auch da sein. Und dann dürfen sie auch wieder gehen.

Was bleibt, ist Klarheit. Erleichterung. Und oft ein leiser Stolz.

Mythos 5: „Aufräumen hält mich von wichtigen Themen ab“

Dieser Mythos ist besonders perfide. Weil er uns glauben lässt, Aufräumen sei Ablenkung vom Wesentlichen.

Dabei führt es uns direkt dorthin.

Zu  elementaren Fragen wie:

Was gehört wirklich zu mir?
Was trage ich noch – obwohl es mich beschwert?
Was darf gehen?
Was darf bleiben?
Wo sage ich Ja?
Wo endlich Nein?

Das sind keine Haushaltsfragen, sondern elementare Lebensfragen. Aufräumen trainiert deinen Entscheidungsmuskel. Deine Selbstführung. Deinen Mut.

 

Zusammenfassung

Aufräumen ist kein Nebenschauplatz. Es ist oft der Anfang zu einem neuen Raum. Bei einem Umzug räumen wir ja auch die alte Wohnung aus und starten in einer neuen Wohnung neu. Kein Verlust, sondern eine Öffnung zu einer neuen Lebensperspektive.

Vielleicht ist Aufräumen nicht das, was dich vom Leben abhält. Vielleicht ist es das, was dich wieder hineinführt.

Wenn du magst, beginne heute klein.
Eine Schublade.
Ein Regal.
Eine Handtasche.

Der Anfang ist das Geheimnis für Weiterentwicklung. Es muss nicht perfekt sein, sondern aus meiner Sicht bewusst.

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