Was können Räume über unser Leben sagen?
Die Idee mehrere Expertinnen über ein Thema sprechen zu lassen, gefällt mir sehr gut, weil wir darüber ein Thema von unterschiedlichen Perspektiven kennenlernen und Einblicke aus unterschiedlichen Brillen erhalten. Ein 360-Grad-Blick.
Und so habe ich mich auf den Weg gemacht, mehrere Expertinnen über das Thema „Was können Räume über unser Leben sagen?“ gefragt. Ihre Aufgabe bestand darin, mir in kurzen Worten ihren Standpunkt zu schildern.
Ich freue mich hier das Ergebnis zu präsentieren.
Heike Schauz | Bauen & Renovieren mit Feng Shui
www.heikeschauz.de
Für mich sagen Räume nicht voraus, wie unser Leben verlaufen wird. Aber sie zeigen oft sehr klar, wie wir heute leben:
- Räume zeigen unsere Gewohnheiten. Sie machen sichtbar, ob unser Alltag gut funktioniert oder uns jeden Tag unnötig Kraft kostet.
- Räume zeigen unsere Prioritäten. Wer bekommt den besten Raum? Wer richtet sich dauerhaft mit einer Notlösung ein? Und welche Bedürfnisse werden bei der Raumaufteilung immer wieder nach hinten geschoben?
- Räume bewahren frühere Entscheidungen. Was einmal passend war, kann heute zu eng, unpraktisch oder überflüssig geworden sein. Oft hat sich das Leben verändert, aber die Räume sind nicht mitgewachsen.
- Räume zeigen Kompromisse. Viele Menschen gewöhnen sich an schlechte Lösungen und bemerken irgendwann gar nicht mehr, wie sehr sie sich täglich danach richten.
- Räume enden nicht an der Haustür. Auch Grundstück und Garten gehören zu unserem Lebensraum. Wegeführung, Fehlbereiche, harte Kanten, fehlender Schutz und Einflüsse aus der Umgebung wirken ebenso auf uns wie das, was innerhalb des Hauses geschieht.
Kein einzelnes Möbelstück und keine unaufgeräumte Ecke erlauben eine pauschale Deutung. Erst das Gesamtbild und der Zusammenhang mit den Menschen, die dort leben, machen die Geschichte eines Raumes sichtbar.
Gutes Feng Shui erkennt, was heute noch passt und wo Veränderung nötig ist.
Jeannette Rosenberger-Neidhart| Architektin, Wohnraumpsychologin
www.raumgeschichten.eu
Aus meiner Erfahrung kann ich sagen: Wenn man ein Gespür für Räume entwickelt, lässt sich oft sehr genau wahrnehmen, ob ein Zuhause oder ein Arbeitsplatz noch aktuellen Leben passt, das man heute führt.
Wohnen ist für mich kein statischer Zustand, sondern ein Prozess, der sich ein ganzes Leben lang verändern darf. Sonst würden wir schließlich alle noch im Look unseres Kinderzimmers wohnen.
Gerade in Phasen der Veränderung wird besonders deutlich, welche Wirkung Räume auf uns haben.
Sie können uns unterstützen, Sicherheit geben und Entwicklung ermöglichen – oder uns unbewusst festhalten und blockieren.
Deshalb schaue ich bei Gestaltung nie nur auf den Raum, wie er heute ist. Mich interessiert immer auch die Lebenssituation des Menschen: Wo steht er gerade? Was verändert sich? Was wird in Zukunft wichtig?
Für mich bedeutet gute Gestaltung deshalb, Räume nach vorne zu denken. So können sie zu einem echten Unterstützer im Alltag und in neuen Lebensphasen werden.
Monika Feldmer-Metzger | BIOSCIENCE MEETS LIVING = NEUROAESTHETICS
Mein Motto: Wohnen ist wie das Leben – ein Prozess ohne Stillstand
Mein Fokus liegt auf zukunftsfähigen Wohnformen & in der Gestaltung lebenswerter Räume
www.wohnenaktiv.com
Unsere Räume sind weit mehr als die Kulisse unseres Alltags. Sie spiegeln, was uns wichtig ist, was wir brauchen und wie wir leben möchten. Sie erzählen von unseren Gewohnheiten, Beziehungen, Lebensphasen – und manchmal auch davon, was uns fehlt.
„Bioscience meets Living“ bedeutet für mich, den Menschen als biologisches Wesen in den Mittelpunkt der Raumgestaltung zu stellen. Unser Gehirn und unser Nervensystem nehmen RÄUME permanent wahr und reagieren auf Licht, Farben, Materialien, Proportionen, Geräusche, Ordnung und Natur. Räume können dadurch Sicherheit und Geborgenheit vermitteln, aber ebenso Stress, Reizüberflutung oder Rückzug auslösen.
Die Wohn- und Architekturpsychologie verbindet dieses Wissen mit der Frage nach unseren individuellen Wohnbedürfnissen. Denn ein Raum wird erst dann wirklich lebenswert, wenn er zu den Menschen passt, die ihn nutzen.
Unser Zuhause ist damit mehr als ein Ort, an dem wir wohnen: Es ist ein Ausdruck dessen, wer wir sind, wo wir im Leben stehen und was wir für unser Wohlbefinden brauchen.
Wir gestalten unsere Räume – und unsere Räume gestalten ein Stück weit unser Leben mit.
Annette Galinski | Begleitung für Frauen
in der Lebensmitte nach einem Abschied
www.zwischen-raeumen.de
Wir gestalten unser Zuhause durch die Art, wie wir darin leben.
Wenn ein Zuhause über Jahre auf ein Wir ausgerichtet war und ein Mensch plötzlich fehlt, wird genau das in den Räumen spürbar. Zum Beispiel, wenn die Partnerin oder der Partner stirbt.
Der Esstisch, an dem gemeinsam gegessen, diskutiert, geplant, gelacht und manchmal gestritten wurde, bleibt derselbe. Im Flur hängen noch beide Jacken. Im Schlafzimmer steht weiterhin das Doppelbett. Auch manche Gewohnheiten wirken weiter: der Blick zu seinem Platz, der Griff nach zwei Tassen, die Handgriffe im Alltag.
Die Räume haben sich nicht verändert. Und doch fühlt sich das Leben im eigenen Zuhause jetzt fremd an.
Denn in Räumen und Dingen steckt gelebtes Leben: Gewohnheiten, Beziehungen, Aufgaben und Erinnerungen. So begegnet uns dort das bisherige Leben immer wieder.
Mit dem Verlust in den vom Wir geprägten Räumen so unmittelbar konfrontiert zu sein, kann sehr schmerzen. Und gleichzeitig können einzelne Räume oder Dinge Vertrautheit vermitteln, trösten und ein Stück weit tragen.
Nach einem Abschied lohnt es sich deshalb, genau hinzusehen:
Was tut mir hier heute gut? Wo fühle ich mich geborgen? Was möchte ich bewahren? Was kostet mich Kraft? Was meide ich, weil es so schmerzt? Und wo braucht mein heutiges Leben etwas anderes?
Wenn wir genau wahrnehmen, wie wir unser Zuhause heute erleben, kann sichtbar werden, was in dieser Lebenssituation wichtig ist: was bleiben sollte, was verändert werden will und auch, was noch Zeit braucht.
Dr. med. Susanne Hofmeister | Biografiearbeit im Lebenshaus® Akademie
Buchautorin: „Mein Lebenshaus hat viele Räume“, 4. Aufl. Kösel Verlag
www.bil-akademie.de
Mit der Biografiearbeit im Lebenshaus bekommen meine Klienten einen Bauplan zu ihrem persönlichen Lebenshaus. So wird die Biografie, die sich ja in der Zeit und damit im Unsichtbaren abspielt, visuell sichtbar. In den Lebensrhythmen treten wir alle sieben Jahre über eine Schwelle in einen neuen Raum mit neuen Fragen, Krisen, Chancen, Möglichkeiten.
Im Coaching zeigt sich manch offener Wäscheschacht, der die Lebensenergie über die unbewussten und ungelösten Kellerthemen negativ bindet. Stellen Sie sich vor, es gibt sie, die Transformation, den Fahrstuhl nach oben zur ungebremsten Selbstverwirklichung!
In meinem Zuhause frage ich mich regelmäßig, wo Lebensenergie festgehalten und gebunden wird durch zu viel Zeug in den Ecken. Bilder, die keiner mehr anschaut, Stapel von Zeitschriften, alte Fotos u.v.m. Entspricht mein äußeres Zuhause meinem Alter, meiner Gegenwart, den aktuellen Fragen und Aufgaben in meinen Leben?
Alle 7 Jahre ein Umzug, das wär’s, denke ich manchmal. Die Chance, die eigenen Räume immer aktuell zu halten: putzen, aufräumen, sortieren, reduzieren, viel loslassen, manches behalten, manches Neue – das schafft Raum zum Atmen, zum Leben in der Gegenwart!
In meinem Arbeitszimmer gelingt es mir, immer wieder den Raum so zu schaffen, dass Innen und Außen, mein Leben und mein Wohnen in Einklang sind, die Lebensenergie frei fließen kann, mit möglichst viel Raum für mein Zukunfts-ICH. Denn dein Zukunfts-ICH erwartet Dich!
Bianka Höpfner |Landschafts-architektin & Energetikerin
www.instagram.com/frei.stil_la/
Ich glaube, dass Räume uns spiegeln und wenn wir unsere Umgebung bewusst wahrnehmen, können wir deshalb erstaunlich viel über uns selbst erfahren.
Wie sehen meine Räume aus? Ist alles klar, strukturiert und kontrolliert? Tut mir diese Ordnung gut oder brauche ich sie, um alles im Griff zu behalten? Kann ich die Schuhe im Eingangsbereich auch einmal entspannt durcheinander stehen lassen?
Was bewahre ich auf? Hängen Bilder vergangener Zeiten an den Wänden, weil sie mich stärken oder weil ich an etwas festhalte? Kann ich Dinge loslassen? Lebe ich mit meinen Räumen eher in der Vergangenheit, der Zukunft oder wirklich im Jetzt?
Und für mich als Landschaftsarchitektin hört der Raum nicht an der Haustür auf. Auch das Grundstück erzählt etwas über uns. Wie viel Natur darf dort sein? Darf etwas wachsen, sich verändern, vielleicht sogar wild sein? Oder muss alles kontrollierbar bleiben?
Besonders spannend finde ich deshalb die Frage: Was würde sich mein Raum von mir wünschen?
Denn oft erzählt ein Raum nicht nur, wer wir sind. Er zeigt er uns auch, wo wir uns selbst ein bisschen mehr Raum geben können oder Grenzen sinnvoll sind.





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